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Broschüre "Natur im Hausgarten"

 

PDF "Natur im Hausgarten"

Natur im Hausgarten

Durch neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßen und andere Bauvorhaben wird immer mehr Landschaft verbraucht. Naturnahe Flächen, Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten, gehen dabei verloren oder werden verkleinert und vielfältigen Störungen ausgesetzt. Auch die intensive Landwirtschaft trägt dazu bei, früher häufige Tiere und Pflanzen zu verdrängen.
Siedlungsflächen mit Parks, Grünanlagen und Straßenbäumen können ein Ausgleich für diese Einbußen der Natur sein. Auch naturnahe Hausgärten leisten einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz und zur Erhaltung der Artenvielfalt.

 

 

Eine Hecke pflanzen, Wildblumen säen, einen Teich anlegen – mit Kreativität und etwas Phantasie lässt sich jeder Garten nach und nach in ein kleines Naturparadies verwandeln. Heimische Pflanzen und vielfältige Strukturen ziehen Tiere magnetisch an. Und die geben viel zurück: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge bestäuben Blüten, Vögel vertilgen Insekten, Igel und Spitzmaus fressen Nacktschnecken und die Larven von Marienkäfern und Florfliegen machen sich über Blattläuse her. Naturgärten sind für uns Menschen und für viele heimische Tiere und Pflanzen bedeutsame Rückzugsorte.

Viele Hausbauer wissen nicht, dass Bebauungspläne von Neubaugebieten nicht nur verbindliche Vorschriften für den Hausbau enthalten, sondern auch die Gestaltung der Grundstücksfreiflächen regeln. Mit diesen Regelungen sollen die Folgen der Bebauung und Versiegelung auf heimische Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Luft und Klima sowie das Orts- und Landschaftsbild verringert und ausgeglichen werden.

Die Broschüre „Natur im Hausgarten“ gibt allgemeine Tipps für die naturnahe Gartengestaltung, geht aber auch auf die Inhalte und Ziele der sogenannten „Grünfestsetzungen“ im Bebauungsplan ein und nennt Ansprechpartner in der Verwaltung.

Weitere Informationen

Informationsaustausch der Stadt Lampertheim mit Betrieben des Garten- und Land-schaftsbaus

Am 22. März 2017 hatte die Stadt Lampertheim Firmen des Garten – und Landschaftsbaues aus Lampertheim und Bürstadt zu einem abendlichen Informationsaustausch im Stadthaus zum Thema „Natur im Hausgarten“ eingeladen. Außerdem stellte die Stadt Lampertheim an diesem Abend ihre neue Broschüre „Natur im Hausgarten“ vor.

Bürgermeister Gottfried Störmer konnte die Inhaber von drei Lampertheimer Fachbetrieben und eine Mitarbeiterin zu der Veranstaltung begrüßen. Die einführende Präsentation des Fachdienstes Umwelt diente als Grundlage für eine – trotz der kleinen Teilnehmerrunde - lebhafte Fachdiskussion.

Die Teilnehmer erfuhren, dass Naturschutz bereits vor der Haustür beginnt - im eigenen Hausgarten. Wildlebende Tiere und Pflanzen benötigen nicht nur ausreichend natürliche Lebensräume in der freien Landschaft. Auch die Siedlungen mit ihren Grünanlagen, Straßenbäumen und Hausgärten sind zum Überleben von großer Bedeutung. Man kann davon ausgehen, dass die Fläche der Hausgärten in Deutschland die Fläche aller Naturschutzgebiete um ein Mehrfaches übersteigt – ein erhebliches Lebensraumpotential für die heimische Fauna und Flora.

In den vergangenen Jahren wurden in Lampertheim mehrere Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen, weitere werden folgen. Untrennbar verbunden mit dem Bau von Wohnhäusern und Gewerbebetrieben ist die Gestaltung und Anlage der Grundstücksfreiflächen und Gärten. Erst die Pflanzung von Bäumen, Sträuchern und Stauden macht die Grundstücksgestaltung vollständig. Leider ist derzeit besonders in den Vorgärten ein Trend zu mehr Versiegelung mit Schotter und Pflaster und weniger Bepflanzung festzustellen, der sich auch auf die heimische Natur ausgesprochen negativ auswirkt. Hausgärten mit kurzgeschorenen Rasenflächen, exotischen Gehölzen und kahlen Schotterflächen sind für die heimische Tierwelt nämlich weitgehend nutzlos.

Bebauungspläne sind die Grundlage für die Ausweisung von Neubaugebieten und enthalten nicht nur verbindliche Vorschriften für den Hausbau, sondern auch für die Gestaltung der Grundstücksfreiflächen. Damit sollen die Folgen der Bebauung und Versiegelung auf heimische Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Luft und Klima sowie das Orts- und Landschaftsbild verringert und ausgeglichen werden.

So ist in den meisten neuen Wohngebieten unter anderem vorgeschrieben, mindestens 50% jedes Grundstückes dauerhaft zu begrünen und mit einer bestimmten Anzahl heimischer Bäume und Sträucher zu bepflanzen. Auch Vorgärten müssen bepflanzt werden. Damit entstehen Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleinsäugetiere und durch Beschattung und Verdunstung wird rund um das Haus ein besseres Klima geschaffen. Dies sollte in unseren zunehmend heißen Sommern jeder Grundstücksbesitzer nachvollziehen können. Schotterflächen sind dagegen wie Pflasterbelag zu betrachten: sie heizen sich stark auf und kühlen nur langsam wieder ab. Wege, Zufahrten und Terrassen müssen zudem wasserdurchlässig befestigt werden, da die Versickerung von Niederschlagswasser die Grundwasserneubildung fördert. Einfriedungen sind als Laubgehölzhecken oder offene Zäune zu gestalten und müssen 10 cm Bodenabstand einhalten, um Bewegungsfreiheit für Kleintiere wie den Igel zu gewährleisten.

Garten- und Landschaftsbaubetriebe erfüllen hier mit ihrer Beratung der Bauherren zur Gartengestaltung eine wichtige Aufgabe. Auch wenn für die Gartengestalter zunächst die Wünsche und Vorstellungen Ihrer Auftraggeber im Vordergrund stehen, sind von diesen auch die Vorgaben der Bebauungspläne einzuhalten. Wenn die Fachbetriebe darüber informiert sind, können sie dies auch in ihre Kundenberatung einfließen lassen.

In der Diskussion brachten die Gartengestalter zum Ausdruck, dass die Ansprüche ihrer Kunden an den eigenen Garten je nach Altersgruppe und Lebenssituation sehr unterschiedlich sind. Junge Paare, die mit Kindern, Beruf und Haushalt bereits ausgelastet sind, wünschen sich einen unkomplizierten und pflegeleichten Garten. Ältere Menschen, denen die Gartenarbeit zunehmend schwer fällt, möchten möglichst wenig Unkraut und Laub beseitigen müssen. Gerade in den Neubaugebieten ist zudem ein Trend zu repräsentativen Gärten festzustellen, die sich mit Schotterflächen, Formgehölzen und Edelstahlobjekten wie die Fortsetzung der Inneneinrichtung darstellen und für die Natur nahezu wertlos sind. Es ist nicht immer einfach, berichten die Gartengestalter, hier durch Beratung zu überzeugen oder neue Ideen einzubringen. Für natürlich gestaltete Gärten mit vielfältigen Pflanzungen seien am ehesten Kunden mittleren Alters zu begeistern.

Naturnahe Gärten zeichnen sich - so der Fachdienst Umwelt - mit Hausbaum, freiwachsenden und geschnittenen Hecken, Obstgehölzen, Blütenstauden, Kräuterbeet, Blumenwiese, Fassaden- und Dachbegrünung durch vielfältige Verwendung von Pflanzen aus. Strukturen wie Trockenmauer, Teich, Vogeltränke, Reisig- und Steinhaufen werten den Garten als Lebensraum für die heimische Tierwelt zusätzlich auf. Mut zur „Unordnung“ bedeutet, dass in einigen Bereichen des Gartens ruhig einmal Wildkraut stehen darf, weil es beispielsweise Schmetterlingsraupen als Futter dient, und auf chemische Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel verzichtet wird. Wenn im Herbst das Laub nur vom Rasen entfernt wird und unter den Gehölzen liegen bleiben darf und die Gehölze nicht den typischen Einheitsschnitt erhalten, sondern nur von Zeit zu Zeit ausgelichtet werden, hilft dies der Natur und spart zudem Arbeit.

Die neue Broschüre „Natur im Hausgarten“ gibt allgemeine Tipps für die naturnahe Gartengestaltung, geht aber auch auf die Inhalte und Ziele der sogenannten „Grünfestsetzungen“ im Bebauungsplan ein und nennt Ansprechpartner in der Verwaltung. Sie wird künftig bei der Bauberatung an planende Architekten und Grundstückseigentümer in den neuen Baugebieten weitergegeben, steht jedoch auch jedem interessierten Bürger zur Verfügung. Die Gartengestalter versorgten sich ebenfalls mit den Broschüren, um sie an ihre Kunden weiterzureichen.

Abschließend kam Gespräch auf das Thema „Verwendung heimischer Gehölze“. Der Fachdienst Umwelt erläuterte, dass sich die heimischen Pflanzen und Tiere im Lauf ihrer Entwicklungsgeschichte aneinander angepasst haben und heimische Gehölze daher in den Hausgärten vorrangig gepflanzt werden sollen. So werden die Früchte des heimischen Weißdorns beispielsweise von 32 Vogelarten gefressen, die des nahverwandten nordamerikanischen Scharlachdorns jedoch nur von zwei Arten. Ähnliches gilt für Insekten, deren Larven oftmals auf wenige oder gar nur eine einzige Nahrungspflanze spezialisiert sind. Während heimische Wildsträucher ein schier unerschöpfliches Nahrungsangebot für zahlreiche Insekten in allen Entwicklungsstadien bieten, wird man an exotischen Gehölzen in unseren Gärten kaum jemals Fraßspuren von Raupen finden. Damit fehlt wiederum den Vögeln die Nahrung.

Der Garten ist jedoch auch ein Stück Kultur, zu dem als Ergänzung traditionell auch nichtheimische Gehölze wie Flieder, Forsythie und andere gehören.

Der Fachdienst Umwelt machte auf Nachfrage deutlich, dass auch bestimmte Zuchtformen heimischer Gehölze verwendet werden können. Dies gilt vor allem für klein- oder schmalkronige Sorten der heimischen Laubbäume, sofern die jeweilige Ausgangsart zu groß für den Hausgarten wird. Auch hier ist eine gute Beratung durch Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaues gefragt.

Aufgrund der positiven und konstruktiven Gesprächsatmosphäre waren sich die Teilnehmer des Informationsaustausches einig, dass ein solches Treffen, beispielweise im Zusammenhang mit der Erschließung des geplanten Baugebietes „Gleisdreieck“, wiederholt werden könnte. Vielleicht lassen sich bis dahin auch einige weitere Garten- und Landschaftsbaubetriebe zu einer Teilnahme motivieren.

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